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klickschicht in der praxis: der teilzeit-retter

7. Juli 2014

— ZVW Waiblingen —

Dietmar Nolls Herz gehört dem Schorndorfer Baywatchteam / Ständig neue Minijobber gesucht

Schorndorf. Er ist zwar nicht mehr so jung wie David Hasselhof in der Serie Baywatch, aber mit seinen 66 Jahren genauso fit. Dietmar Noll ist seit zwei Jahren beim Baywatchteam der Stadtwerke dabei – dem Rettungspersonal aus 400-Euro-Kräften. Jeder von 17 bis 70 kann auch Teil davon werden.

Mit einem breiten Grinsen steht Dietmar Noll am Geländer und schaut aufmerksam über den Ziegeleisee. Der Teint braun gebrannt, die Laune bestens. So hat sich der Haubersbronner seine Tage in der Pension vorgestellt – etwas gerne tun, bei dem man sich noch mal sinnvoll einsetzen kann. „Meine Frau hat vor zwei Jahren die Annonce in den Schorndorfer Nachrichten gesehen und gemeint: ‘Das wäre doch was für dich’“. Recht hat sie gehabt. Das Oskar-Frech-Seebad und das Ziegeleiseebad sind das zweite Zuhause ihres Gatten geworden. „Ich mache das nicht, weil ich das Geld unbedingt brauche, sondern weil es mir Spaß macht“, sagt der Lehrer im Ruhestand. „Sonst hätte ich ja auch Nachhilfestunden geben können.“

Mehr als 50 Stunden Rettungsarbeit im Monat sind nicht erlaubt

„Ich muss ihn immer ausbremsen, dass er hier nicht zu viel arbeitet“, sagt sein Chef, Bäderbetriebsleiter Jörg Bay. Denn jeder der Baywatch-Mitglieder darf bis zu 50 Stunden im Monat schaffen. 25 Stück arbeiten inzwischen in den Bädern der Stadtwerke, also auch mal in Buhlbronn oder in Schlichten, wenn dort Not am Mann ist. Auf knapp 4000 Arbeitsstunden bringen es die Minijobber. Wichtig ist es Bay aber dabei zu betonen, dass wegen diesen Jobs keine Stellen gestrichen wurden. „Es gab keinen Markt für Hilfskräfte, die kurzfristig benötigt werden, also haben wir beschlossen, diese selbst auszubilden.“ Die Hilfskräfte unterstützen die Fachkräfte im Oskar-Frech-Seebad während Veranstaltungen und der Stoßzeiten – so zum Beispiel in den Ferien im Ziegeleiseebad, wie es Dietmar Noll heute tut.

Seine Aufgabe ist es natürlich, darauf aufzupassen, dass keinem etwas passiert. So turbulent wie in der TV-Serie geht’s aber in den Schorndorfer Bädern freilich nicht zu. Seine Kenntnisse als Rettungsschwimmer musste Noll noch nicht zum Einsatz bringen. „Bisher ist nie etwas passiert“, sagt er. Eher muss er sich um kleinere Verletzungen kümmern, wenn jemand gestolpert ist oder sich Kinder beim Spielen etwas getan haben.

Zehn Leute arbeiten viel, andere kommen sporadisch

Für jeden, der ins Baywatchteam will, ist die Ausbildung zum Rettungsschwimmer mit dem silbernen Abzeichen aber natürlich Pflicht. „Die Ausbildung machen wir gemeinsam mit dem DLRG“, sagt Bay. „Wir übernehmen die Kosten.“

Wer es ins Team schafft, kann sich auf sehr flexible Arbeitszeiten freuen, denn jeder entscheidet selbst, wann und wie viel er arbeitet (siehe Infokasten). „Wir haben im Team etwa zehn Leute, die viel arbeiten“, so Bay. Die anderen kommen sporadisch, wenn sie Zeit haben. Insgesamt sind 25 Retter dabei. Der Vorteil: „Die Leute suchen sich selbst raus, wann sie arbeiten möchten, und sind dadurch motivierter. Durch die sehr flexiblen Arbeitszeiten kommen aber zum Beispiel Studenten zum Zug, die nur in den Semesterferien Zeit haben, oder Ältere, die etwas machen, aber nicht ständig arbeiten möchten. Wenn Not am Mann ist, springt – na klar – Dietmar Noll ein.

Saunaaufguss mit Fächer und Entspannungsmusik

Er hat seinen ersten Rettungsschein übrigens mit 17 Jahren gemacht – und diesen jetzt, 42 Jahre später, wieder aufgefrischt. Alle zwei Jahre muss er diesen nun erneuern. Noll war einer der Ersten im Baywatchteam. Heute ist er Mädchen für alles. Er hilft beim Reinigen der Bäder, repariert kaputte Spints und sorgt gelegentlich für ordentlich Hitze in der Sauna. „Mein Aufguss ist ganz speziell“, sagt er. Dabei läuft leise Entspannungsmusik, er achtet darauf, dass es sehr ruhig ist und er wedelt nicht mit dem Handtuch, sondern mit einem Fächer. Unter den Saunagästen hat er bereits Fans, das gefällt ihm: „Zwei Damen haben geschrieben, so einen schönen Aufguss hätten sie noch nie erlebt“, die Feedback-Karte hat er aufgehoben.

Außerdem hat Noll immer ein Auge auf alles, dass die Liegen gut stehen, dass die fehlenden Gummiteile an den Stuhlbeinen ersetzt werden. „Manchmal bin ich auch eine Nervensäge, wenn ich wieder frage: Könntet mir nedda …“. Das findet Jörg Bay aber gut. „Solche Leute geben einem auch einen neuen Blick darauf, wenn man schon etwas betriebsblind geworden ist.“„In vier Jahren muss ich aber aufhören, dann bin ich 70“, sagt er. „Das werden wir dann sehen“, sagt Bay, der sehr froh ist, dass er ihn und das Baywatchteam hat.


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